Wetterkapriolen fordern den österreichischen Erfindergeist – Betonfertigteile im Einsatz

2014 – ein Jahr nach dem „Jahrhundert-Hochwasser“ – präsentierte die Allianz Versicherungsgruppe eine Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass Österreich im Durchschnitt alle drei Jahre mit einer ähnlichen Naturkatastrophe wie jenen Überschwemmungen, die damals große Teile Europas betrafen, rechnen muss.

Obwohl viele dieser Gefahren saisonal oder lokal begrenzbar sind, ist vor allem in Österreich das Risiko von Hochwasser und seinen Folgen allgegenwärtig. So kam es schon elf Jahre nach dem Hochwasser von 2002 in Mitteleuropa erneut zu einer Überflutungskatastrophe, von welcher diesmal neben Deutschland, Tschechien und Österreich auch Polen, die Slowakei, Ungarn, Kroatien und Serbien betroffen waren.

Der geschätzte Gesamtschaden durch die Überschwemmungen im Jahr 2002 beläuft sich auf 15 Milliarden Euro, wobei 3 Milliarden auf Österreich entfallen. Für das Jahr 2013 lauten die Schätzungen der Gesamtschadenssumme für Österreich auf 2,2 bis 3 Milliarden, wobei das Zerstörungspotential der Flut deutlich höher war. Insgesamt meldete der österreichische Versicherungsverband (VVO) einen Anstieg der wetterbedingten Versicherungsschäden um das 15-fache innerhalb der letzten 30 Jahre[1].

Auf der Suche nach den „richtigen“ Lösungen

Betonfertigteile im Katastrophenschutz

Vergleich des Hochwassers 2013 (dunkle Farben) mit dem Hochwasser 2002 (helle Farben) an den Pegeln Kienstock, Wachau und Korneuburg.

Vergleich des Hochwassers 2013 (dunkle Farben) mit dem Hochwasser 2002 (helle Farben) an den Pegeln Kienstock, Wachau und Korneuburg.

Viele Schäden konnten durch die teils massiven baulichen Maßnahmen der Behörden nach den Erfahrungen im Jahr 2002 verhindert werden. Die Erneuerung bzw. Erhöhung von Dämmen einerseits und die sehr verlässlichen Prognosen andererseits, machten ein wirksames Zusammenspiel aus der guten Vorbereitung und dem rechtzeitigen Einsatz des zur Verfügung stehenden mobilen Hochwasserschutzes aus. Auch die TU Wien stellt den verantwortlichen Behörden in ihrer Reaktion auf die Unwetterwarnungen ein gutes Zeugnis aus.

In der Analyse des Hochwassers kommen alle Studien zu einer Übereinkunft darüber, dass das wichtigste Mittel zur Vorbeugung von Überschwemmungen, ein ausreichendes Maß an Retentionsflächen zur Versickerung des überschüssigen Wassers sei. Wie die Grafik oben jedoch sehr eindrücklich zeigt, waren die konzentrierten Wassermengen im Jahr 2013 zu groß, um komplett abgefangen werden zu können. Insgesamt umfasste das Hochwasser eine geschätzte Menge von 10 Milliarden Kubikmeter. Aufgeteilt auf die gesamte Fläche des Landes Wiens, würde das noch immer einem Wasserstand von 25 Metern entsprechen.

Prävention: Versickerung

Insbesondere in großen Teilen Österreichs, wo die natürlichen Gegebenheiten das rasche Versickern nicht immer ermöglichen, ist es wichtig, über ausreichende Versickerungsflächen zu verfügen. Aufgrund baulicher Aktivitäten und der damit einhergehenden Bodenversiegelung[2], ist es notwendig, Alternativen aufzuzeigen – auch im privaten Raum. So sind etwa Betonfertigteile wie Gittersteine nach wie vor eine einfache und attraktive Lösung, um beispielsweise Parkflächen zu bepflastern. Eine weitere Option ist das Betonsteinsystem „Ökodrain“ von Semmelrock oder das Öko Pflaster „Aquarin“ von Weissenböck. Die Pflastersteinsysteme verfügen über 12mm oder 16 mm Drainfuge sowie wasserableitende Kanäle auf der Unterseite. Verbundsteine aus Beton mit Fase, die eine intelligente Antwort auf das Problem der Bodenversiegelung bieten und darüber hinaus keinen weiteren Oberflächenabfluss benötigen. Wasserdurchlässige Pflasterungen machen Sinn und helfen langfristig nicht bloß in Notsituationen, sondern sind ein wertvoller Beitrag für die Erhaltung des Grundwasserspiegels.

In akut hochwassergefährdeten Bereichen sind ausgedehnte Überschwemmungsgebiete nach wie vor die beste Lösung. Jedoch ist es nicht überall möglich, völlig von der Bebauung abzusehen, bzw. gilt es oftmals, Lösungen im Interesse des Altbestandes zu finden. Extremfälle wie Passau zeigen den überlebensnotwendigen Einsatz mobilen Hochwasserschutzes.

Betonfertigteile als Hochwasserschutz am Beispiel Wiens

hochwasser_wienWien ist ein gutes Beispiel für das Zusammenwirken und Ineinandergreifen einer Zahl an Maßnahmen. Neben der Entlastungsrinne „Neue Donau“ (die sich 2013 erneut bewährte) und den Begleitdämmen entlang der Donau im Stadtgebiet, dienen vor allem auch die Wehranlagen dem Hochwasserschutz. Im Bereich des Liesingbach-Ufers zwischen Alterlaa und Inzersdorf gibt es darüber hinaus drei Rückhaltebecken. Diese Staubecken oder Flutpolden – insbesondere steuerbare Rückhaltebecken – sind in Beton ausgeführt. Fertigbetonteile, wie Schachtringe oder auch Spannbetonbehälter, sind bei den herstellenden Betonfertigteilwerken üblicherweise auf Lager und damit wirtschaftlich wie architektonisch präzise planbar und sofort einsatzbereit.

Betonfertigteile: Kosten – Zeit – Qualität

Traditionell orientieren sich die Hochwasserschutzmaßnahmen an historischen Werten, was nach 2002 auch zu mehr Rückhaltebecken, Renaturierungen und Aufweitungen geführt hat, die mehr Platz für die Fließgewässer schufen. Darunter das größte Projekt dieser Art in ganz Europa: der über 36 km lange Machland-Damm.

Trotz aller Bemühungen für dauerhafte Lösungen, ist der mobile Hochwasserschutz ein wesentlicher Bestandteil jedes Maßnahmenkataloges in überschwemmungsgefährdeten Regionen. Schlüsselfaktoren für die Entscheidung darüber, welche Technologie zum Einsatz kommt sind in den meisten Fällen Kosten und Zeit. Das spricht für Betonfertigteile. Zwei Argumente, die für den Einsatz von Fertigelementen aus Beton sprechen und die heimischen Betriebe dazu veranlasst haben, ihre Expertise vermehrt in diesem Bereich einzubringen. Im nächsten Betonblog finden Sie einen Überblick der breiten Palette an österreichischen Beiträgen zum mobilen Hochwasserschutz.


[1] 2013 beliefen sich die versicherten Schäden aus Naturkatastrophen weltweit auf rund 28 Milliarden Euro vgl. dazu „Starkregen, Hitzewellen, Schneechaos. Naturkatastrophen: Mehrheit der Österreicher unterschätzt die Gefahren!“ Presseaussendung der VVO vom 10. Juli 2014

[2] Vgl. dazu die Broschüre der österreichischen Umweltberatung: http://images.umweltberatung.at/htm/merkblatt-versickerung-wasser.pdf